5 Kommentare

„Wie das Mädchen den Jungen traf und wie das Mädchen die Subroutinen des Jungen manipulierte“
Recap bis / Beichtstube ab 31:19

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Fair Haven @ Memory Alpha

Schwachsinnige Shownotes:

Kommentare

  1. Hi Marta, Hi Kuba!

    Ich kann euer wohlwollendes Urteil über „Fair Haven“ nicht nachvollziehen und bin komplett anderer Meinung. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich generell kein großer Fan des Holodecks bin. In meinen Augen ist es zu oft ein Ausweg für die Autoren, denen wieder mal keine spannendere Story eingefallen ist.

    1. Ich schaue mir eine Science Fiction-Serie an, die im 24. Jahrhundert an Bord eines hochmodernen Raumschiffs in einem unerforschten Teil der Galaxis spielt und bekomme eine Story aus einem irischen Dorf im 19. Jahrhundert?! Na gut, denselben Kritikpunkt hatte ich schon bei TNG mit Picards Dixon Hill- und Sherlock Holmes-Romanen. Da ging es aber wenigstens größtenteils um Datas Weiterentwicklung und Moriarty war ein interessanter Gegenspieler. Die Fair Haven-Story finde ich mit ihrem Rosamunde Pilcher-Niveau sehr flach und die x-te Anomalie der Woche macht es nicht besser. Mir ist das einfach zu viel TNG in der neuen Serie, die „modern“ (Frau als Captain) und „anders“ (einsames Sternenflottenschiff) sein möchte.

    2. Die Charaktere verhalten sich absolut inkonsequent. Letzte Woche hatten wir mit „Pathfinder“ eine Episode, die Reginald Barclays Holosucht thematisierte. Er verbrachte sehr viel Zeit auf seiner holografischen Voyager mit der holografischen Crew und schlief sogar dort. Das wurde als Rückfall in seine Sucht gewertet. An Bord der Voyager ist es laut dem Holodoc aber vollkommen ok, sich in ein Hologramm zu verlieben?! In der Episode „Real Life“ hattet ihr kritisiert, dass der Holodoc seine Holo-Familie selbst gestaltet, so dass sich diese total klischeehaft verhält. Janeway tut in „Fair Haven“ exakt dasselbe, indem sie das Hologramm Michael Sullivan ihren Wünschen anpasst! Sie löscht seine Ehefrau, verändert seine Körpergröße und seine Bildung, schreibt seine Persönlichkeit und seine Geschichte um. Was hat sie außerdem noch verändert? Hat sie ihn vielleicht zum Frauenversteher gemacht und ihm ein Sixpack verpasst, weil sie auf muskulöse Männer steht, die ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen? Hat sie ihn umprogrammiert, damit er dreimal täglich mit nacktem Oberkörper schwitzend auf einer Baustelle steht und sich kaltes Wasser über den Kopf gießt? Ihr sagt selbst, dass die Hologramme „quasi-lebendig“ sind. Und trotzdem hat der Holodoc absolut kein Problem damit, wenn die „organischen“ Kollegen seine holografischen Artgenossen nach Lust und Laune modifizieren? Wieso hatte er ein Problem damit, dass in „Latent Image“ ein Teil seiner Erinnerungen gelöscht wurde? Die AutorInnen schreiben ihre Storys genau so, wie sie es gerade brauchen. Stringenz oder einen roten Faden sucht man vergeblich. Manchmal setzt sich der Holodoc für die Rechte von künstlichen Lebensformen ein, manchmal nicht. Manchmal werden Hologramme wie eigenständige Lebewesen behandelt, manchmal nicht. Manchmal ist die häufige Nutzung des Holodecks zur Freizeitgestaltung das Symptom einer Sucht, manchmal nicht. Ich hätte viel lieber eine Diskussion über das Für und Wider der strengen Sternenflotten-Regeln im Delta-Quadranten gesehen. Dann wäre mehr Interaktion in der Crew möglich gewesen anstatt das nächste Holodeckprogramm hervorzukramen.

    3. Fair Haven ist ein klischeehaftes irisches Holo-Dorf, das von klischeehaften Hologrammen bewohnt wird. Das ist dasselbe wie in „Up The Long Ladder“, was ihr auch ansprecht. Das ist irgendwie charmant und witzig gemeint, aber ich habe ein grundsätzliches Problem mit solchen Darstellungen einer Kultur. Der User „The Blessed Exchequer“ drückte es auf YouTube so aus:
    > Let’s put this in some perspective. Imagine if instead of an Irish village, Tom Paris created an African American community. He has all of the characters be of below-average intelligence, there’s not a single adult male in sight because everyone comes from a single-mother household, they all survive on a diet of nothing but watermelon and fried chicken. Now imagine if he set the program in the middle of Mississippi in the 1960s and completely failed to mention any kind of racial tensions or the Civil Rights Movement. Now imagine Janeway walking in and saying – „You have outdone yourself this time, Tom. And I should know because I’m an expert on African American culture, dawg!“ <
    Das würde ich nicht nur als klischeehaft, sondern als rassistisch empfinden.

    LG
    Michael

  2. Wie immer köstlich der Cast. Ach ich mag Fair Haven auch wenn es da ja eigentlich total spießig ist :-) Gut ist auch die 2. Episode aus dem Dorf das Geistervolk. by the way ich liebe Euren Cast einfach!

  3. Lieber Michael und Florian, vielen Dank für eure Kommentare!

    @Michael: gute Punkte! Zu 2:

    So wie ich es verstehe, ist die Prämisse in Bezug auf das Holodeck in Star Trek, dass Hologramme zwar Potential haben, ein Bewusstsein zu entwickeln und zu Personen zu werden, aber nur unter sehr besonderen Umständen – wenn sie sehr lange aktiviert bleiben (wie der Doktor) oder durch spezifische Unfälle/Computeranweisungen (Moriarty). Die „normalen“ Figuren in den Holoromanen scheinen eher analog zu Computerspielcharakteren gemeint zu sein. Ich denke diese Prämisse muss man zu einem gewissen Grad schlucken, um sich überhaupt mit Holodeckfolgen auseinandersetzen zu können, sonst müsste man jedes An- und Abschalten zum eigenen Vergnügen als monströse Unmenschlichkeit ansehen. Von daher bin ich schon bereit mich hier darauf einzulassen, dass Fair Haven hier sowas ähnliches ist wie ein Städtchen in einem unserer heutigen Videospiele, inklusive dem Status der darin enthaltenen Figuren.

    Zu deinem Vergleich mit „Real Life“: da sehe ich den Unterschied in den Absichten derjenigen, die diese Figuren entwerfen/manipulieren. Was der Doktor sich da programmiert ist für mich ein Indiz für einen Wunsch, den ich ablehnenswert finde – er wünscht sich anscheinend eine „pflegeleichte“ Frau und Kinder, die sich ihm unterordnen und ihn als Familienoberhaupt anhimmeln. Auch wenn ich hier akzeptiere, dass das diesen konkreten seelenlosen Holofiguren nichts ausmacht, äußert sich in dem Wunsch des Doktors eine bestimmte Einstellung. Wenn der Doktor so über Frauen und Familie denkt, geht das nicht nur seine Holofamilie was an, sondern auch alle, die mit dem Doktor im realen Leben zu tun haben; und es steht in krassem Kontrast zu seinem übrigen Verhalten und wirkt einfach inkonsistent– so, als hätten die Autor*innen nicht viel Zeit gehabt nachzudenken, was „ideale Familie“ für jemanden wie den Doktor bedeuten könnte, und hätten sich einfach an einfachen Stereotypen bedient, die sie hiermit weitertragen.

    Was wir in „Fair Haven“ sehen, verstehe ich so, dass Janeway sich zunächst mal für den Zeitraum des Unwetters auf eine romantisches/sexuelle Geschichte einlassen möchte (auch wenn der Doktor sagt, dass sie darüber nachdenken sollte, auch eine längerfristige Partnerschaft nicht prinzipiell auszuschließen – ich glaube nicht, dass es Janeway in diesem Fall darum geht). Die Absicht hinter ihren Modifikationen ist, Michael Sullivan für sie in dieser Hinsicht attraktiver zu machen. Du hast recht, dass auch Attraktivitätskriterien etwas sind, worin sich problematische Einstellungen widerspiegeln können. Aber grundsätzlich finde ich es hier schwieriger, es Janeway vorzuwerfen, *dass* es Eigenschaften gibt (auch körperliche), die für sie persönlich anziehend sind. Hier bin ich geneigter, es als ihre Privatsache anzusehen, ohne dass es grotesk inkonsistent mit ihrem restlichen Leben ist.

    1. Hi Marta!

      „So wie ich es verstehe, ist die Prämisse in Bezug auf das Holodeck in Star Trek, dass Hologramme zwar Potential haben, ein Bewusstsein zu entwickeln und zu Personen zu werden, aber nur unter sehr besonderen Umständen – wenn sie sehr lange aktiviert bleiben (wie der Doktor) oder durch spezifische Unfälle/Computeranweisungen (Moriarty).“

      Jedes Lebewesen hat das Potential, sich zu entwickeln! Das ist für mich eine der zentralen Botschaften von Star Trek. Weil jedes Lebewesen ein Individuum ist, sind auch die Umstände, unter denen es sich (weiter)entwickelt, individuell und damit „sehr besonders“.

      Der Holodoc war in „Caretaker“ nur eine Ansammlung von Daten ohne Bewusstsein. Nach sechs Jahren ist aus ihm aber eine Persönlichkeit geworden, weil er das Potential zur Weiterentwicklung in sich trug.

      Seven war in „Scorpion“ nur eine von zig Milliarden Borg-Drohnen ohne Bewusstsein, Persönlichkeit oder eigenen Willen. Weil sie aber vom Kollektiv getrennt und an Bord der Voyager in die Crew aufgenommen wurde, konnte sie sich zu einem Individuum entwickeln. Die „08/15-Drohne“ Seven of Nine hatte also auch schon das Potential, sich zu einem Individuum zu entwickeln oder besser gesagt: wieder zum Individuum zu werden.

      Data war zu einem Zeitpunkt seiner Existenz nur eine Maschine, aber er entwickelte sich über viele Jahre zu einem Individuum, weil er das Potential dazu besaß.

      In Fair Haven gibt es bestimmt auch einen Arzt als Holofigur. Nehmen wir mal an, die Crew würde ihn über Jahre aktiviert lassen, ihn in ihre Gemeinschaft integrieren, ihm die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln und ihn mit Infos über die Voyager, das 24. Jahrhundert, die Technik, die Föderation, außerirdische Spezies usw. versorgen. Ich glaube, dass er sich unter diesen Umständen ähnlich entwickeln könnte wie der Holodoc. Die Programmierung dieses Arztes ist vielleicht nicht so komplex wie die des Holodoc. Moriarty, Data und der Holodoc konnten ihre Programmierung aber selbstständig erweitern, warum sollte der Fair Haven-Arzt dazu nicht in der Lage sein?

      Michael Sullivan ist der Besitzer eines Pubs in Fair Haven. Warum kann er nicht über lange Zeit aktiviert bleiben und sich wie Vic Fontaine in DS9 zum Singer-Entertainer mit eigenem Bewusstsein entwickeln? Man müsste ihm nur die Chance dazu geben!

      Stellt euch mal vor, Janeway müsste durch eine Zeitreise zu den Ereignissen von „Caretaker“ zurückkehren und dort aus irgendeinem Grund den Holodoc löschen. Oder sie würde wie Kes in „Before and After“ durch die Zeit springen und wäre im Szenario von „Scorpion“ gezwungen, die Drohne Seven of Nine zu töten. Sie hätte dabei Gewissensbisse, weil sie das Potential dieser Lebewesen kennt und weiß, dass sie in einer anderen Zukunft mit ihnen befreundet war/ist. In diesem Moment wäre der Holodoc für sie nicht nur ein Hologramm und Seven of Nine nicht nur eine Borg-Drohne.

      Mich stört einfach die sehr unterschiedliche und widersprüchliche Darstellung von kunstlichen Intelligenzen in Star Trek. Einerseits werden sie als Lebewesen akzeptiert und man erkennt ihr Potential zur Weiterentwicklung an. Andererseits erzeugt man auf dem Holodeck „quasi-lebendige“ Wesen zur Freizeitgestaltung, die dann denselben Status haben wie NPCs in einem Computerspiel. Wenn ich das auf die Spitze treiben möchte, kann ich sagen: Eine befruchtete menschliche Eizelle ist auch ein Lebewesen ohne Bewusstsein, aber mit dem Potential zur Weiterentwicklung! Sollte man sie darum behandeln wie ein x-beliebiges Hologramm in einem x-beliebigen Holoroman? Kann man sie auch einfach „löschen“?

      Ich zitiere Jean-Luc Picard in der grandiosen TNG-Episode „The Offspring“:
      „It’s a life, Data. It can’t be activated and deactivated simply. This is a most stupendous undertaking.“
      Falls die Hologramme wirklich „quasi-lebendig“ sind, müssen wir dieses Prinzip auch auf sie anwenden.

      „Was der Doktor sich da [in „Real Life“] programmiert ist für mich ein Indiz für einen Wunsch, den ich ablehnenswert finde – er wünscht sich anscheinend eine „pflegeleichte“ Frau und Kinder, die sich ihm unterordnen und ihn als Familienoberhaupt anhimmeln.“

      Hätte sich der Holodoc nicht auch darüber beschweren müssen, dass sein Captain die Holotechnik einfach an die Hirogen weitergab? Die Hirogen sind Jäger und ihre ganze Kultur ist darauf ausgerichtet. Was werden sie wohl mit der Holotechnologie tun? Hmmm, vielleicht programmieren sie sich holografische „Beutetiere“, um diese zu jagen und so ihren Jagdtrieb zu befriedigen? Es wurde auch schon etabliert, dass die Hirogen eine intelligente Beute vorziehen, weil die Jagd durch sie befriedigender ist. Die Hirogen möchten also eine intelligente, holografische Beute jagen. Und damit hatte der Holodoc kein Problem?! Da sehe ich für mich dieselbe Schwierigkeit wie in „Fair Haven“: Hologramme werden nach Belieben umgestaltet und zur Befriedigung niederer Bedürfnisse ausgenutzt. Dabei ist es egal, wer das tut. Sklaverei wird von uns schließlich auch kategorisch abgelehnt, egal wo oder zu welcher Zeit sie stattfand bzw. stattfindet.

      LL&P
      Michael

      1. Hallo Michael,

        ich glaube, das Zeitreise-Gedankenexperiment (z.B. Janeway löscht den Doktor in „Caretaker“) ist interessant in Hinblick darauf wie weit sich der Doktor entwickelt hat, aber nicht informativ in Hinblick auf seinen Status oder die Richtigkeit von Entscheidungen zu dem Zeitpunkt in der Vergangenheit. Bei dieser Art von Gedankenexperiment würde man alles bereuen, was zur Nicht-Existenz einer Person führt, die man bereits kennengelernt hat – aber das würde jeden beliebigen Zeitpunkt in der Kette von Ereignissen betreffen, die zur Existenz geführt haben. Um das Beispiel noch mehr zuzuspitzen: Wenn Q und Picard in dieser Ursuppe die Entstehung allen Lebens verhindert hätten („The amino acids are moving closer and closer, and closer. Ooh! Nothing happened. See what you’ve done?“), wäre das aus Picards Sicht schrecklich, es sagt uns aber nichts darüber aus, wie wir uns gegenüber Aminosäuren verhalten sollten und ob sie allgemein schützenswert sind. Ich denke man kommt nicht umhin, dabei auch den aktuellen Zustand und nicht nur das Potential zu berücksichtigen, so schwierig das auch ist.

        Trotzdem oder gerade deswegen stimme ich dir darin zu, dass „Potential“ ein sehr diskutierenswertes Konzept ist, und dass es in Voyager sträflich vernachlässigt wird. Wenn es Moriarty- und Doktor-Präzedenz-Fälle gibt, ist es haarsträubend, dass das nicht zu einer philosophischen und juristischen Aufarbeitung von Holodeck-Leitlinien führt.

        Ich glaube ich tendiere dazu, dass solche großen ungeklärten Probleme für mich auf einer abstrakteren Ebene mit reinspielen, wenn es um die Bewertung von der ganzen Staffel oder Serie geht, aber wenn sich eine Episode was aus einem dieser großen interessanten Problemhaufen selektiv herauspickt und eine Geschichte dazu erzählt, ohne sozusagen den elephant in the room anzusprechen, finde ich es ok. Du hast aber recht, dass es mindestens grenzwertig ist, wie sehr der Doktor solche Fragen auf die leichte Schulter nimmt; da hat sich Voyager in eine Ecke geschrieben und man muss bei Holodeckfolgen unter Beteiligung des Doktors generell ganz schön ein Auge zudrücken (was wir hier gemacht haben; es stimmt aber, dass uns das an anderen Stellen auch schon mal mehr gestört hat).

        Viele Grüße,
        Marta

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