George Orr träumt so, dass seine Träume am nächsten Morgen wahr werden. Nur er selbst behält Erinnerungen an die Welt, wie sie früher war, während es für alle anderen Menschen so ist, als wäre schon immer alles so gewesen wie Orr es erträumt hat. Traumatisiert von dieser ungewollten Macht versucht sich Orr mit illegalen Medikamentenrationen wach zu halten und bekommt zur Strafe obligatorische Therapiesitzungen bei einem Traumspezialisten verordnet. weiterlesen

In Farside ist eine Reihe flacher Charaktere in eine mäßig spannende Krimigeschichte verwickelt, die sich auf einer Raumstation auf der dunklen Seite des Mondes abspielt. Die Aufgabe ist das Herstellen und Positionieren riesiger Spiegel, die der Erhebung von Daten und Bildern eines neu entdeckten erdähnlichen Planeten dienen sollen. Mehrere Projekte konkurrieren darum, die ersten zu sein, die genauere Beobachtungen liefern können. weiterlesen

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Neben The Dispossessed ist The Left Hand of Darkness wahrscheinlich Le Guins bekanntestes Science-Fiction-Werk. Die beiden Erzählungen sind in demselben Universum angesiedelt, in dem die humanoiden Bewohner verschiedener Sonnensysteme (ähnlich wie etwa in Star Trek) alle von gemeinsamen Vorfahren – den Hainish – abstammen und daher viele Merkmale teilen. Trotzdem haben sie sich in ziemlich verschiedene Richtungen entwickelt. In The Left Hand of Darkness lernen wir die Gethenianer kennen, deren Heimatplanet wegen seiner extremen Temperaturen von Außerstehenden auch „Winter“ genannt wird. weiterlesen

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Saturn’s Children ist eine an Robert A. Heinleins Roman Friday angelehnte Space Opera. Ganz wie dieser Untertitel erwarten lässt, legt Saturn’s Children ein rasantes Erzähltempo vor, bietet eine abgefahrene Story und reichlich saftige Details.

Die Protagonistin Freya muss sich in einem Universum durchschlagen, das nach dem plötzlichen Aussterben der Menschheit nur noch von künstlichen Intelligenzen unterschiedlichster Art bevölkert ist: machtgierige menschenähnliche Aristos, die sich andere Roboter untertan machen wollen; uralte Maschinen, die inzwischen ihren Daseinszweck verloren haben und sich anderen Dingen zuwenden; und allerlei zwielichtige Gestalten, die versuchen mit krummen Weltraumsgeschäften über die Runden zu kommen. weiterlesen

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Mein erster Kontakt mit Robinson war seine berühmte Trilogie über die Terraformung und Besiedelung des Mars – humanistisch-utopisch, episch und von herausfordernder Detailtiefe in jeder Hinsicht (politisch, gesellschaftlich, technisch, wissenschaftlich).

Mein zweiter Kontakt ergab sich zufällig, als ich inmitten einer pulpigen Kurzgeschichtensammlung, wie ich sie heimlich am liebsten lese, überraschend auf Robinsons A Short Sharp Shock stieß, das aus dem übrigen Haufen der üblichen Macho-Weltraumcaptain-Abenteuer wie eine sehr merkwürdige Perle herausstach. Größer könnte der Kontrast zu den Marsbüchern kaum sein: die Geschichte ist traumartig verflochten, poetisch, völlig surreal. Meine Zuneigung zu Robinson wuchs.

Aurora, ein Roman aus dem Jahr 2015, ist nun mein dritter Kontakt (Vorsicht, Spoiler).  weiterlesen

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Im Film Arrival von Denis Villeneuve erreichen siebenbeinige Außerirdische die Erde; ebenso in der Kurzgeschichte Story of your life von Ted Chiang, die als Vorlage diente. Eine ihrer Sprachen soll dabei so fremdartig sein, dass sie eine besondere Wirkung auf alle entfaltet, die sie erlernen. Das liegt daran, dass sie „nicht-linear“ ist. Aber ist das wirklich eine so außerirdische Eigenschaft? weiterlesen

Schaum spielt eine besondere Rolle in Daths Roman über eine ferne Zukunft auf der terrageformten Venus. Gehirne und andere Oberflächen sind von einem feinen Schäumchen überzogen, das die Schnittstelle zwischen Körper und Geist bildet. Das erlaubt es einem etwa, ohne Umweg über einen Bildschirm auf das allgegenwärtige virtuelle Netz zuzugreifen, in dem man zig Chat-, News- und Arbeitsfenster gleichzeitig direkt vor seinem „Innenauge“ managt. Auch in der Politik spielen Geister und Körper eine wichtige Rolle – im Moment herrscht das B=D=K („Bundwerk“), eine Vereinigung von altmodischen „biotischen“ Menschen, „diskreten“ Robotern und „kontinuierlichen“ körperlosen künstlichen Intelligenzen. Die Übergänge sind teilweise fließend: manche Kontinuierliche lassen sich in diskrete und angeblich auch biotische Körper einpflanzen; andersherum gibt es Maschinen und Menschen, die von der Befreiung von ihren Körpern träumen. Der B=D=K entwickelt allerdings zunehmend tyrannische und menschen-, roboter- und KI-verachtende Züge; das Versprechen ist aber, dass er nur eine Zwischenstufe zum finalen „Freiwerk“ darstellt, in dem endlich alle gemeinsam ein gutes Leben führen können sollen.

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Im Januar gehen in Berlin einige fantastisch-wissenschaftliche Dinge vor sich!

Für Ohren:

Das Otherland ist eine feine Science-Fiction-Buchhandlung in der Bergmannstraße. Jeden Monat findet dort ein Treffen zum Plaudern über Science-Fiction-Literatur statt. Am 18.1. ist der Autor Jens Lubbadeh dabei. Nur einen Tag später liest Michael Marrak aus seinem neuen Buch Der Kanon mechanischer Seelen.

Auch Dietmar Dath, über dessen Pulsarnacht wir hier begeistert schrieben, kann man diesen Monat beim Lesen aus dem neuen Schnitt durch die Sonne zuhören, und zwar am 18.1. im Literaturforum im Brecht-Haus. Geht dort hin, wenn ihr mehr von Folgendem hören wollt oder Dath dafür zur Rede stellen wollt: weiterlesen

Seit 200 Jahren herrscht Funkstille zwischen dem Anarcho-Planeten Anarres und der Schwesterwelt Urras.
Aber dann wagt es der abenteuerlustige Shevek, auf Urras zu landen und die Kapitalisten aufzumischen.
Wie wird es weitergehen?!

Erfahrt es in diesem Review von Le Guins Klassiker, an dem sich die Geister scheiden:

„It’s just so tedious. No action it might as well be a 300+ paper on philosophy. 1 star.“

„The book is good. The story line flips from future to past. The book I ordered came in perfect condition. 5 stars.“

(Das Review ist etwas ernst geraten, ich hoffe das mit diesem Teaser auszubügeln). weiterlesen

Die Geschichte spielt in einer fernen Zukunft und dreht sich um drei Personen: die Präsidentin, die Admiralin und den Shunkan. Die Präsident regiert einen riesigen interplanetarischen Verbund. Was mit der Admiralin geschehen ist, bleibt zunächst unklar, man erfährt nur, dass Suchteams der Regierung seit Jahrzehnten „nach ihrem Gesicht suchen“. Der Shunkan ist im Exil an einem entlegenen Ort. Die drei verbindet ihre jeweilige Rolle in einem weit zurückliegenden Krieg: Die Präsidentin und die Admiralin waren enge Verbündete, der Shunkan rebellierte gegen sie. Was sie alle wieder zueinanderführt, sind Vorbereitungen auf die Pulsarnacht: ein paradoxes physikalisches Ereignis, das zum einen aus der Mythologie eines belächelten Volkes bekannt ist, an dessen Bevorstehen verstörenderweise aber auch eine allgemein als höchstentwickelt anerkannte Spezies glaubt.
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Albern, verstörend, grauenerregend, haarsträubend – der Kurzgeschichtenband „Phantastische Träume“ hinterlässt bleibende Eindrücke. Es handelt sich dabei um die hundertste Ausgabe der Phantastischen Bibliothek, einer Reihe des Suhrkamp-Verlags, in der über 300 Romane und Kurzgeschichtensammlungen aus den Bereichen Fantasy, Science Fiction und Horror erschienen sind. Die Reihe scheint gegen Ende der 90er eingestellt worden zu sein. Vor kurzem ist mir dieser Jubiläumsband in die Hände gefallen, der einen schönen Querschnitt der wichtigsten in dieser Reihe verlegten Autoren bietet, und dadurch auch einige Ideen, von wem man gerne mehr lesen würde und von wem lieber nicht.

Am Anfang der Sammlung steht eine Ijon-Tichy-Geschichte von Lem („Die Verdopplung“), in der dem Raumfahrer eine unangenehme Sache widerfahren ist: der Balken, der seine beiden Gehirnhälften verbindet, wurde bei einem Einsatz auf dem Mond durchtrennt, was auch sein Erinnerungsvermögen etwas beeinträchtigt hat. weiterlesen