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„Wie viele Borg-Teenager braucht man, um ein Vinculum zu wechseln“

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Collective @ Memory Alpha

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  1. Hallo Marta, Hallo Kuba!

    Ich finde es merkwürdig, dass die Borg biographische Daten über ihre Opfer speichern. Welchen Mehrwert bringt die Speicherung dieser Daten dem Kollektiv? Wenn die Drohnen ohnehin untereinander verbunden sind, wieso sind diese Infos dann nicht automatisch vorhanden und müssen extra im Computerspeicher aufbewahrt werden? Seven besitzt doch nach ihrer De-Assimilierung immernoch viel Wissen aus ihrer Zeit im Kollektiv. Mein Geburtsort, mein Geburtsdatum, meine Familie oder mein Name haben keine Auswirkungen auf meine Existenz als Drohne. Vielleicht bin ich für bestimmte Tätigkeiten besser geeignet, wenn ich sie schon in meinem früheren Leben ausgeübt habe, z.B. wissenschaftliche Arbeiten. Das sollte sich aber durch Scans und Analysen meines Gehirns ermitteln lassen. Mir hätte es besser gefallen, wenn die Kinder mithilfe einer Hypnose oder eines ähnlichen Verfahrens auf unterbewusste Erinnerungen zugreifen könnten, weil ihre Assimilierung unvollständig war und ihre Gehirne nicht so stark verändert wurden wie es bei komplett assimilierten Drohnen der Fall ist.

    Ich frage mich auch oft, wozu die Raumschiffe in Star Trek mit tausenden von Besatzungsmitgliedern bemannt sind. Die Enterprise-D hat über 1.000 Besatzungsmitglieder, aber man erfährt nie, welche Aufgaben sie im Einzelnen erfüllen. Ab und zu wird ein Labor oder eine Außenmission gezeigt und im Maschinenraum herrscht oft geschäftiges Treiben. Sternenflottenschiffe sind aber keine Luxusliner mit 300 Crewmen und 700 Passagieren! Die Sternenflotte an sich stellt ja eine halbmilitärische Organisation dar und in diesem Kontext ergäbe die Besatzungsstärke deutlich mehr Sinn. Es heißt zwar immer, es lebten viele Familien an Bord. Trotzdem wird die Enterprise nicht nur als Forschungsschiff eingesetzt, sondern immer wieder in gefährliche militärische Einsätze geschickt und in Gefechte verwickelt. Ein Forschungsschiff wie die deutsche Polarstern hat 44 Besatzungsmitglieder, aber ein Schlachtschiff wie die berühmte USS Missouri hatte eine Besatzungsstärke zwischen 1.500 und 2.800. Die Schiffe der Constitution-Klasse wurden schon als Schwere Kreuzer klassifiziert und im Dominion-Krieg übernehmen die Schiffe der Galaxy-Klasse dann auch tatsächlich die Rolle von Schlachtschiffen. Darum kann man sich schon bei TNG eigene Gedanken über die Einordnung der Enterprise-D machen. Warum die Borg immer mit riesigen Kuben und tausenden Drohnen durchs All gondeln, erschließt sich mir auch nicht. Bisher sind sie der Föderation, die zu den am weitesten fortgeschrittenen Fraktionen gehört, haushoch überlegen. Eure Zombie-Analogie finde ich ganz passend. Ein Kampf gegen die Borg ist also „The Walking Dead“ im Weltraum.

    Das spannende an „Collective“ sind zweifellos die Kinder bzw. Teenager, die nun zur Crew gehören. Einer von ihnen wird sich für mich sogar zum Lieblingscharakter entwickeln. Es gibt ein paar schöne Szenen, die ihr schon angesprochen habt. Es ist der Beginn eines längeren Arcs, allein dafür schätze ich diese Folge.

    Über die Kinofilme könnten wir lange Diskussionen führen! Kuba, deinen Ausführungen entnehme ich, dass dir „First Contact“ besser gefällt als „The Wrath of Khan“. Das ist vollkommen legitim. Meine Meinung ist deiner diametral entgegengesetzt. Diese Filme bieten sich wie ich finde für einen Vergleich an, weil sie einige interessante Gemeinsamkeiten aufweisen. Beide Filme stellen den 2. Kinoeinsatz der Crews dar. Beide Filme greifen Themen ihrer Serien auf. In beiden Filmen ist die Rache ein zentrales Motiv. Beide Filme zitieren Moby Dick. In beiden Filme gibt es ein Zitat über zwei- bzw. dreidimensionales Denken. Beide Filmen setzen auf Action und Spezialeffekte. Ich versuche mich bei der Bewertung jedes Films kurz zu halten, wie gut mir das gelungen ist dürft ihr entscheiden.

    „The Wrath of Khan“ (1982): Star Wars mit seinen epischen Raumschlachten war nach wie vor der Platzhirsch im SciFi-Revier, aber die Macher von Star Trek sprangen bewusst nicht auf diesen Zug auf. Stattdessen inszenierten sie wie in der TOS-Folge „Balance of Terror“ einen U-Boot-Kampf im Weltraum, aber diesmal mit viel höherem Budget und besserer Technik. Außerdem erzählten sie die Story des Antagonisten Khan weiter, den Fans aus der TOS-Folge „Space Seed“ kannten. Es gibt Action und tolles CGI, aber Kirk und Khan begegnen sich nie persönlich, sondern tragen ihren Kampf auf die Distanz aus. Bei der Schlacht im Mutara-Nebel kann Kirk seinen Feid besiegen, weil er ihn ausmanövriert und die Nerven behält. Außerdem dürfen wir das Triumvirat aus Kirk, Spock und McCoy bei schönen Charakterszenen in seiner vollen Pracht bewundern.

    Klar, der Film hat auch Schwächen und Logikfehler. Wieso kann sich Khan das Genesis-Device so einfach unter den Nagel reißen? Warum wird das Ding nicht von einer ganzen Flotte bewacht? Wieso entwickelt die Föderation überhaupt ein Gerät, das so leicht als Massenvernichtungswaffe missbraucht werden kann?
    Weshalb kapiert Khan, der angeblich über einen unglaublich krassen Intellekt verfügt, die versteckte Botschaft in Spocks Funkspruch nicht? Warum werden Chekov und Terrel nicht von McCoy untersucht, nachdem sie auf der Regula-Raumstation gefunden wurden?

    An „The Wrath of Khan“ gibt es viel zu kritisieren und in Podcasts wie der „Second Unit“, dem „Trekcast“, „Trek am Dienstag“ und „Tilly vs. Spock“ wird das auch sehr ausführlich gemacht. In meinen Augen ist es nichtsdestotrotz ein Film, der Star Trek auf die große Leinwand bringt und sich dabei mit der Story, den Charakteren, dem Design, der Inszenierung und der Atmosphäre treu bleibt. Für mich überwiegen darum ganz eindeutig die Vorteile. Es gibt eine tolle Szene nach der anderen und Ricardo Montalban als Khan ist ein fieser, aber nicht übertriebener Bösewicht. Allein seine Moby Dick-Zitate finde ich super.

    „First Contact“ (1996): Der Film möchte wie „Demolition Man“ (1993), „Timecop“ (1994) und „Virtuosity“ (1995) ein typischer SciFi-Action Flick der 90iger sein. Deshalb kämpft Picard im verschwitzten Unterhemd mit dem Phasergewehr im Anschlag allein gegen die Borg-Queen und ihre Drohnen. Auf dem Holodeck ballert er wie wahnsinnig zwei Drohnen nieder. Er klettert an den Kabeln hoch, die von der Decke herunterhängen und entkommt so dem sicheren Tod durch das Plasmakühlmittel. In Star Trek haben solche „Ein-Mann-Armeen“ der Marke „Rambo“ nichts verloren! Bei Star Trek gibt es keine Einzelkämpfer wie in den klassischen Actionfilmen, es steht immer die Zusammenarbeit und der Erfolg einer Crew im Vordergrund. Darum wurde schon in TOS das Triumvirat etabliert. Mich erinnert Picards Verhalten an Kirk in “ Star Trek V: The Final Frontier“. Dort versuchte er sich als Freeclimber am El Capitan, weil Bill Shatner sein Ego streicheln wollte. TNG-Kenner mögen jetzt vielleicht einwenden, Picard hätte in der Episode „Starship Mine“ ähnlich agiert, als er allein gegen die Terroristen kämpfe. Genau diese Folge ist für mich ein Gegenbeispiel zum Action-Jean in „First Contact“. Dort dachte und handelte er nämlich überlegt und entwickelte eine Strategie. Er führte seine Feinde hinters Licht, gab sich als Friseur aus und konnte ihre Pläne durchkreuzen, weil er die Enterprise wie seine Wesentasche kannte. Bezeichnenderweise benutzte Picard als Waffe einen Bogen anstelle eines Phasers, weil er ihm Vorteile verschaffte. Die Baryon-Welle war für ihn genauso gefährlich wie für die Terroristen und er konnte nur mit etwas Glück überleben. Darüber hinaus war Picard in sieben Jahren TNG nie ein besonders guter Kämpfer. Er setzte allgemein lieber auf Diplomatie und Verhandlungen als auf Gewalt und auch im Nahkampf rettete ihm immer die Hilfe anderer Charaktere das Leben, man denke z.B. an seinen Kampf gegen zwei Klingonen in „Sins of the Father“ oder die Gefangennahme durch die Cardassianer in „Chain of Command“.

    Ich finde es außerdem absolut unverständlich, dass Picard hier total von Rache getrieben gezeigt wird und das Wohl seiner Crew vollkommen aus den Augen verliert. Er beleidigt sogar Worf tödlich, aber im Finale ist alles wieder OK, als ob nie etwas vorgefallen wäre. Nur die Zivilistin Lily, die er erst wenige Stunden zuvor kennenlernte, bringt ihn zum Nachdenken. Seinen langjährigen Freunden Dr. Crusher und Worf, mit denen ihn sehr viel verbindet, gelingt das nicht. Picards Crew war in TNG sieben Jahre lang sein Gewissen, sein Korrektiv, das ihn begleitete und zu den richtigen Entscheidungen führte. Bei Schlüsselepisoden wie „The Measure Of A Man“, „Yesterday’s Enterprise“ und „I am Hugh“ ließ er sich von ihnen beraten und nahm ihre Hilfe in Anspruch. Ich nehme ihm zwar ab, dass der erneute Angriff der Borg sein Trauma zum Vorschein brachte, aber diese Fixierung auf Rache passt meiner Meinung gar nach nicht zu seinem Charakter. In „I am Hugh“ war er auch schon rachsüchtig, wurde aber von seiner Besatzung korrigiert und änderte seine Meinung. Wieso wird es hier vollkommen anders dargestellt? Weil es ein Kinofilm ist und man möglichst viel Action zeigen möchte? Khans Rachegelüste finde ich viel nachvollziehbarer. Er wurde von Kirk im Stich gelassen, hat seine Ehefrau verloren und möchte den Mann zur Strecke bringen, der dafür verantwortlich ist. Das ist zwar keine epische Story über die Rettung des Universums, aber ein durchaus nachvollziehbare Geschichte. Auch das Erschießen der assimilierten Besatzungsmitglieder finde ich stark übertrieben. Obwohl Picard selbst assimiliert und zurückgeholt wurde, lässt er seine Crewmen, denen dasselbe Schicksal wiederfuhr, einfach sterben und es gibt keinerlei Erklärung dafür. Niemand widerspricht ihm dabei und alle nehmen es hin, das irritiert mich sehr. Bei Janeway kritisiert ihr die zuweilen unverhältnismäßige Härte, die sie z.B. in „Equinox“ an den Tag legte. Picard ist in „First Contact“ ein auf Elf aufgedrehter Amokläufer jenseits aller Vernuft und verdient diese Kritik erst recht.

    Data ist für mich auch eine Enttäuschung. Sein größter Wunsch bestand immer darin, menschlicher zu werden. In „Generations“ war der Emotionschip fest mit seinem positronischen Gehirn verbunden, so dass er Emotionen auch dann erlebte, wenn er es NICHT wollte und sie ihn behinderten. Picard erklärte ihm dabei, dass er jetzt wie jeder Mensch mit seinen Emotionen zurechtkommen muss, weil es zum Menschsein gehört. Hier kann er seinen Emotionschip aber einfach ausschalten. Inwiefern macht ihn das „menschlicher“? Heißt das etwa, Data ist aus Bequemlichkeit den einfachen Weg gegangen und hat den Emotionschip so modifiziert, dass er ihn deaktivieren kann? War es für ihn zu schwierig, seine Emotionen zu kontrollieren, so wie jeder Mensch das tagtäglich tun muss? Würde Data so handeln, nachdem er jahrzehntelang nach Emotionen und Menschlichkeit strebte? Ich denke nicht!

    Das Borg-Kollektiv wurde in TNG eingeführt und wird hier wieder verwendet, aber gleichzeitig komplett entwertet. Für mich waren die Borg gerade deshalb bedrohlich und spannend, weil sie im Gegensatz zu allen anderen Feinden wie Klingonen, Romulanern, Cardassianern, Gründern etc. KEINEN Anführer hatten und gesichtslos waren. Sie hatten eine dezentrale Organisationsstruktur, konnten sich rasch regenerieren und glichen wie die erwähnte Zombiehorde eher einer unaufhaltsamen Naturkatastrophe als einem Feind in einem Krieg. Im VOYAGER-Cliffhanger „Scorpion“ funktionieren sie noch auf diese Weise, darum finde ich diese Doppelfolge so cool. Wie bekämpft man so einen Gegner? In TNG gab es zwei direkte Konfrontationen mit den Borg und in der verheerenden Schlacht von Wolf 359 fielen ihnen 39 Raumschiffe mit 11.000 Crewmen zum Opfer. Jean-Luc Picard wurde selbst assimiliert und sollte als „Locutus von Borg“ den Angriff auf die Erde anführen. Zum Schluss fanden sie dann doch einen Weg um die Borg zu besiegen, standen aber mit heruntergelassenen Hosen da und mussten ihre eigene Verwundbarkeit akzeptieren. Dementsprechend sagt Picard am Anfang von „First Contact“: „Die Borg, unser tödlichster Feind, haben eine Invasion begonnen.“ Der „tödlichste Feind“ hat jetzt praktischerweise auf einmal einen Anführer, der noch nie erwähnt wurde. Wenn dieser Anführer stirbt, ist der Feind geschlagen und man hat den Krieg gewonnen. Picard verkommt zum stereotypen Actionhelden und die Borg verkommen zum genauso stereotypen Gegner des stereotypen Actionhelden. Ich finde einige klassische Actionfilme auch sehr unterhaltsam, aber der überwiegende Teil dieser Filme zeichnet sich weder durch eine gute Story noch durch vielschichtige Charaktere aus. „First Contact“ hat ja wirklich mehr mit einem James Bond-Film wie „Goldeneye“ von 1995 zu tun als mit „The Wrath of Khan“. Von Bond kann ich mich gut unterhalten lassen, weil die gezeigte Action irrsinnig und übertrieben ist. Da gibt es comichafte Bösewichte und der Obermotz lagert tonnenweise hochexplosiven Sprengstoff in seinem Villain’s Lair und lässt ihn offen herumstehen, damit Bond am Ende die ganze Butze in die Luft jagen kann. Dieselben Mechanismen kommen bei „First Contact“ zum Einsatz.

    Die Logikfehler muss ich überhaupt nicht betrachten, um zu wissen, was an diesem Film falsch läuft: Die beiden Hauptcharaktere Picard und Data sowie das spannende Borg-Kollektiv werden zugunsten einer Actionhandlung bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet. „The Wrath of Khan“ hatte das nicht nötig. Aus der Sicht des Studios ist es absolut nachvollziehbar, eine breite Masse von Kinogängern anzusprechen. Dazu gehören eben auch die Fans von Actionfilmen, die Star Trek gar nicht oder kaum kennen. Leider geht dieses Hevorheben der Action zulasten der Story und der liebgewonnen Charaktere. Am sympathischsten sind mir nicht die Offiziere der Enterprise, sondern Lily und Zefram Cochrane. Sie wirken auf mich „echter“ und greifbarer als Rache-Action-Picard und Data, der menschlich werden möchte, aber mal eben seine Emotionen abschaltet. Meiner Ansicht nach wurden bei den TNG-Kinofilmen „First Contact“, „Insurrection“ und „Nemesis“ dieselben Fehler begangen wie später bei den Reboot-Filmen und den neuen Serien DISCOVERY und PICARD. Man versucht, eine dünne, unausgegorene Story durch ein großes Actionspektakel zu übertünchen und darum finde ich diese Teile von Star Trek so enttäuschend. Sie richten sich an Menschen, die TOS, TNG, DS9 und VOY nicht mögen, weil es ihnen „zu langweilig“, „zu langsam“, „zu dialoglastig“ usw. ist.

    Zurzeit lese ich den Roman „Strangers from the Sky“ von Margaret Wander Bonano aus dem Jahr 1987. Sie beschreibt darin eine alternative Story über den ersten Kontakt zwischen Menschen und Vulkaniern. Ich habe das Buch noch nicht durchgelesen, finde die Story aber spannender und „trekkiger“ als Star Trek VIII.

    Nach diesem langen Kommentar lasse ich es für heute gut sein und wünsche euch beiden bis nächsten Montag eine schöne Zeit.

    LL&P
    Michael

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