Der IFComp hat angefangen! Das ist ein jährlicher Wettbewerb für Textadventures (Interactive Fiction Competition).

Wie immer sind auch diesmal einige Science-Fiction-Spiele dabei. Besonders interessant sieht „Absence of Law“ aus; der letztjährige Wettbewerbsbeitrag des Autors war eine anhand von Zeugenberichten aus verschiedenen Perspektiven nacherlebbare Krimigeschichte, die mir gut gefallen hat. In seinem diesjährigen Spiel scheint es darum zu gehen, dem Gehirn-Backup eines kürzlich Verstorbenen zu helfen, sich wiederzubeleben, bevor der Akku alle ist. Außerdem sind u.a. im Rennen: „The Cube in the Cavern“ (über eine würfelfürmige Welt) und „Transient Skies“ (ein Multiple-Choice-Weltraumerforschungsspiel).

Wer bis zum 15. November mindestens 5 der Spiele ausprobiert, kann mitbewerten.

Die Beiträge sind meistens eine Mischung aus Choose-Your-Own-Adventure-artigen klickbasierten Spielen und Parserspielen mit klassischer Tastatureingabe à la go north und open door with key – alle von Hobby-Autoren/Programmierern erstellt.

Wer Spaß daran hat, findet in der ifdb (Interactive Fiction Database) Tausende solcher selbstgemachter Spiele und Reviews dazu. Eine gute Liste mit Empfehlungen aus dem Science-Fiction-Bereich findet sich hier. Darunter sind zum Beispiel:

  • Das beliebte und auch einsteigerfreundliche „Superluminal Vagrant Twin“, in dem man als vagabundierender Raumschiffcaptain durch Lieferaufträge, Kopfgelder und Spacegeschäfte genügend Geld auftreiben muss, um seinen Zwilling freizukaufen.
  • Das komplexere und schwierigere „Spider und Web“ ist eins der bekanntesten IF-Werke überhaupt; es ist eine Spionage-Geschichte, in der man im Rahmen einer futuristischen Verhörmethode gezwungen wird, sein Eindringen in eine geheime Einrichtung wiederzuerleben. Man ist also unter Zeitdruck darum bemüht, die Aktionen zur Zufriedenheit des Inspektors nachzuspielen, der mehr darüber weiß als man selbst!

Spielen kann man sie entweder online oder in einem speziellen Interpreter, z.B. Gargoyle. Wem diese Art von Spiel neu ist, der kann sich anfangs an den hier zusammengestellten Einsteiger-Tipps orientieren:

(„Play IF card“, Text von Andrew Plotkin, Design von Lea Albaugh)

Das Genre der interaktiven Geschichten hat in den letzten Jahrzehnten eine spannende Entwicklung durchgemacht. Es hatte seinen kommerziellen Höhepunkt vor langer Zeit in den 80er Jahren, als Spiele wie Zork und The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy von Infocom produziert wurden. Seit den Neunzigern lebt diese Art von Spielen Spielen vor allem innerhalb der Community von Fans weiter (ursprünglich eine Newsgroup, jetzt unter anderem in diesem Forum aktiv), die irgendwann anfingen, selbst Spiele zu programmieren. Wegweisend war dabei die Entwicklung der Programmiersprachen TADS und Inform, die speziell darauf ausgerichtet sind. Sowohl Superluminal Vagrant Twin als auch Spider & Web sind in Inform geschrieben. Die aktuelle Inform-Version hat als Besonderheit eine an natürliche Sprache (Englisch) angelehnte Syntax. Einige Standardaktionen wie Untersuchen, Nehmen oder Öffnen sowie eine kleine Ontologie (Dinge – Räume – Behälter – Personen – Tiere) sind vordefiniert (aber veränderbar); alles andere wird selbst entwickelt. Das daraus resultierende Weltmodell kann dann vom Spieler betreten und manipuliert werden. Um Inform zu lernen, steht eine Dokumentation und eine umfangreiche Sammlung kleiner Beispiele bereit, die man ausprobieren und adaptieren kann; hier ein Auszug daraus – so ungefähr kann der Code aussehen:

The Center Ring is a room. The cage is in the Center Ring. A lion is an animal in the cage. The cage is enterable, openable, transparent, and closed.
The pedestal is in the Center Ring. It is enterable. The player is on the pedestal.

Every turn when the player is in the cage:
      if a random chance of 1 in 2 succeeds, say „The lion eyes you with obvious discontent.“;
      otherwise say „Though the lion does not move, you are aware that it is watching you closely.“

The magician’s booth is a container in Center Ring. „Off to one side is a magician’s booth, used in disappearing acts. The exterior is covered with painted gilt stars.“ The booth is enterable, open, not openable, and fixed in place.
Inside from the Center Ring is the Starry Vastness.

Das würde bereits Spielzüge erlauben wie open cage, get in cage, out, close cage, get on pedestal, get off, enter booth usw. und entsprechende Rückmeldungen dazu geben, ob diese Aktionen im jeweiligen Zustand möglich sind und was sie bewirken.

TADS, Inform und in jüngster Zeit auch Systeme zur einfachen Erstellung von Multiple-Choice-Spielen wie Twine machen die Programmierung so zugänglich, dass man inzwischen eine große Bandbreite an Autoren und Spielen hat. In TADS und Inform setzen Leute bevorzugt ihre kreativen, obskuren und (teils über-)ambitionierten Ideen für Rätsel und Simulationsmechanismen um, in Twine dominieren eher storylastige Abenteuer und Geschichten, in denen persönliche Erfahrungen verarbeitet werden. Entsprechend gibt’s – auch im IFComp – in der Regel mehr oder weniger schrottig umgesetzte Ideen, die aber häufig sehr nett und einzigartig sind; und auf den ersten Plätzen finden sich auch mal nahezu perfekt ausgearbeitete Werke. Ich schaue gleich, ob das diesmal auf eines der fantastisch wissenschaftlichen Spiele zutrifft und berichte dann.

Viel Spaß beim Spielen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.