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Am ersten Tag des Sci-Fi Filmfests gab’s unter anderem zu sehen: Drama Shorts, Action Shorts, Star-Trek-Fanfilme und die hypnotischen Abenteuer eines Space Detectives in Spielfilmlänge. Einige der Beiträge kann man sich auch online ansehen – hier meine Eindrücke und Tipps!

On the first day of the Berlin Sci-Fi Filmfest, I got to see: drama shorts, action shorts, Star Trek fan films and the hypnotic adventures of a space detective. Some of the movies can be accessed online – here are my impressions and recommendations!

Visuelle Highlights

Angesichts der meist ziemlich begrenzten finanziellen Mittel, mit denen die Filme produziert wurden, waren einige visuell sehr beeindruckend. Im Kurzfilm FTL (Faster Than Light) begegnet ein verloren gegangener Lichtgeschwindigkeits-Pionier hilfsbereiten (aber angenehm stumm bleibenden) kristallinen Wesen. Die Konsolen seines Raumschiffs, das Kontrollzentrum auf der Erde, die Aliens und ihr Wurmloch sehen dabei fantastisch aus; inhaltlich stach der Film vor allem durch freundlichen Optimismus unter den sonst zumeist düstereren Beiträgen heraus.


Freundliche Szene aus FTL

Noch ein richtig gutaussehender Film ist Nano. Hier bekommen wir eine Zukunft gezeigt, in der Smartphones mittels Nanotechnologie körperlich mit ihren Nutzern verlinkt sind. Die Apps, mit denen man etwa Haar- und Augenfarbe einstellen oder sich sexuell synchronisieren kann, sind schön designt und eröffnen auch interessante Fragestellungen; eine weitere mögliche Anwendungsmöglichkeit der Technologie, die der Staat in Erwägung zieht, ist eine neue zuverlässige und schmerzlose Methode Kriminelle festzusetzen: durch Lähmung per Remote-Smartphone/Körper-Zugriff. Diese Idee ist so stark, dass eigentlich eine innovativere Geschichte drin gewesen wäre, als dann tatsächlich erzählt wird – der zentrale Kampf zwischen brutalem Polizisten und verführender Hacker-Aktivistin bleibt dann doch in schon etwas zu oft gesehenen erzählerischen Mustern und Bildern verhaftet.


Düstere Szene aus Nano

Das ungewöhnlichste visuelle Erlebnis des ersten Festivaltags war allerdings der 70-minütige Space Detective, eine Art psychedelischer Film Noir, vollgestopft mit Referenzen auf Klassiker der Science-Fiction und Popkultur. Gedreht wurde mit echten Schauspielern; durch Maximierung der Kontraste in der Nachbearbeitung und Einsatz extremer Neonfarben für kleine Details wie den Rauch einer Zigarette oder die Augen des Detectives ergibt sich ein ziemlich cooler, comichafter Look (siehe Beitragsgif). Es hätte mich gefreut, wenn inhaltlich ähnlich unkonventionelle Wege gegangen wären wie visuell. Es bleibt aber genretypisch bei einer eher einfachen Geschichte um einen kühlen Draufgänger und seine Klientin, eine sexy Katze (beide werden allerdings klasse gespielt und gesprochen). Trotzdem sind die Einzelszenen für sich genommen abgefahren genug, dass das Ganze Spaß macht – Wertung: Bird up! (soll heißen, ich komme nicht ganz mit, kann aber auch nicht weggucken).

Lieblings-Geschichten

Von den erzählten Geschichten fand ich drei aus dem als „Action“ betitelten Block am interessantesten. Olfactory erzählt eine schöne kleine, in sich abgeschlossene Story um eine Droge, die es einem erlaubt, vergangene Erinnerungen zu verändern oder zu löschen (ähnlich wie man es aus Eternal Sunshine of the Spotless Mind kennt, nur auf DIY-Art). Nach und nach fügen sich die wirren Erinnerungsstücke des Protagonisten zusammen, bis man versteht, dass er aus Angst vor Routine und Wiederholung seine Vergangenheit wieder und wieder umgeschrieben hat – eine klassische Science-Fiction-Geschichte, die auslotet, was eine mögliche Technologie mit uns machen könnte.
Auch der französische Beitrag MARS IV beginnt in einem klassischen SciFi-Setting: die vier Mitglieder der vierten bemannten Marsmission drohen wie bereits eine ihrer Vorgängercrews den Verstand zu verlieren, vielleicht, weil sie immer wieder die beruhigend grüne und florierende Augmented Reality abschalten und sich der verstörenden Röte des Mars aussetzen. Die ersten Halluzinationen sind noch als Horror-Jumpscares inszeniert, dann wird es immer albernen und trashiger, bis alle Besatzungsmitglieder ins Koma gefallen sind. Die Auflösung ist angesichts des düsteren Anfangs überraschend harmlos – MARS IV bleibt wie FTL da eher auf der freundlich-fröhlichen Seite.
Schließlich gefiel mir noch Satori, das auch Herausforderungen für den Menschen erforscht, aber aus einer größeren Perspektive. Der Film beginnt mit einem einzelnen Soldaten namens Mann. Er verfolgt ein gesichtsloses Monster, mit dem er nicht kommunizieren kann und das er schließlich nach einer Eskalation der Missverständnisse erschießt. Und dann… wird er selbst zum gesichtslosen Gejagten. Alles stellt sich als ein Test heraus, bei dem die Menschheit beweisen soll, was sie draufhat. Immerhin: Selbst nach mehr als 600 fehlgeschlagenen Durchgängen haben die Aliens, die auf keinen Fall einen induktiven Fehlschluss begehen wollen, nicht die Hoffnung aufgegeben, noch etwas Gutes im Menschen zu finden. Obwohl oder gerade weil hier Effekte sparsam eingesetzt werden, sah Satori auch sehr gut aus, und war in der Kombination aus Geschichte und Umsetzung vielleicht insgesamt mein Favorit (hat es aber leider nicht ins Halbfinale im Wettbewerb geschafft).

Verstreute Beobachtungen zu Lofi-Scifi

Was alle Festival-Filme gemeinsam haben, ist der Versuch, Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, ohne viel Geld auszugeben, und es war interessant zu beobachten, welche Strategien dabei verwendet werden:

  • Zeitreisen führen klassischerweise in die heutige Zeit, gerne ins heutige Berlin (z.B. in Rewinder) oder umfassen nur eine kurze Zeitspanne (Foreword).
  • Apps, YouTube-Videos, Werbung zu futuristischen Produkten (Nano, Olfactory, Biomass) sind nah genug an der Gegenwart dran, um ein Gefühl von Echtheit zu erzeugen.
  • Von der Realität kaum ununterscheidbare Virtual Reality bietet unendliche SciFi-Möglichkeiten und wirkt mit ein paar Glitches versehen trotzdem futuristisch (Wie Seegurken).
  • Die „gesichtlose“ Maske in Satori war vermutlich einfach über das Gesicht gespanntes Stück Stoff – sah aber gut und verstörend aus.
  • Echte Spielzeug-Roboter von heute haben in einem futuristischen Setting (Biomass) etwas Beunruhigendes.
  • Menschen als kostengünstige Roboter: In Biomass ist die Gruppe von zu Dünger zu verarbeitenden Kinder-Bioroiden ziemlich spooky; in MARS IV funktioniert die Maske und mechanische Stimme des Kolonie-Roboters erstaunlich effektiv.

Bonus: Star-Trek-Fanfilme

In einem Extra-Block gab es fünf Star-Trek-Fanfilme zu sehen, unter anderem den Kickstarter-Hit Prelude to Axanar. Im Stile einer Dokumentation der Beginn des Krieges zwischen der Föderation und den Klingonen in der Zeit vor Star Trek: TOS erzählt. Sowohl die Interview-Szenen als auch die computerdesignten Angriffsszenen sind handwerklich wirklich beeindruckend für eine Fanproduktion. Vom Thema des Films kann man zwar nicht behaupten, es wäre untrekkig – ähnliches findet sich etwa bei DS9 –, es ist aber eins, von dem ich mir nicht gerade mehr gewünscht hätte. Obwohl die Beteiligten sichtlich darunter leiden, dass es überhaupt zum Krieg gekommen ist, werden dann, als dieser unvermeidlich ist, doch relativ ungebrochen ehrenhafte Manövern und kluge Kriegsstrategien gerechtfertigt und gepriesen. Obwohl mir da inhaltlich ein anderer Schwerpunkt, vielleicht auf philosophischeren Trek-Aspekten lieber gewesen wäre, ist es doch schade, dass die geplante Fortsetzung durch Rechtsstreitigkeiten mit Paramount ausgebremst wurde und es daher vorerst bei der Prelude geblieben ist. Auch die meisten der anderen gezeigten Fanfilme hatten ein relativ hohes technisches Niveau, vor allem was die Nachbildung von Details aus den Serien angeht. Trotzdem gefiel mir dann doch ein Film am besten, der mit eher bescheidenen Mitteln, aber viel Herz hergestellt wurde: Survivors sieht aus wie ein Projekt, dass ein paar beste Freunde zusammen auf die Beine gestellt haben, und machte auf mich daher den sympathischsten Eindruck.

Sympathisch war auch das Babylon in Berlin Mitte als etwas eisige, aber trotzdem gemütliche Festival-Location und die Anwesenheit der teilweise auch ein bisschen aufgeregten Filmemacher. Bald folgt noch ein Bericht vom zweiten Tag des SciFi-Fests!

Berlin Sci-Fi FilmFest: day one

Visual highlights

Considering the limited financial recources of most of the movies shown at the festival, some of them were really impressive visually. In the short FTL, a pioneer of faster-than-light travel is lost in space, where he encounters helpful (but pleasantly silent) crystalline beings. The consoles of his spaceship, the mission control center on Earth, the aliens and their wormhole look fantastic. Plotwise, the movie’s friendly optimism stands out from the other mostly dark and dystopian contributions.


Friendly scence from FTL

Another good-looking movie was Nano. We see a future in which smartphones are linked physically to their users via nano technology. The apps that can be used to change one’s hair color or to synchronize with someone sexually are designed beautifully and also open up interesting questions and issues. A further potential application of the technology is to arrest criminals in a reliable and painless way by the means of remote paralysis. This is a strong idea, which would in principle allow to tell a range of innovative stories; however, the one the movie chooses to tell – a fight between a brutal cop and a seductive hacker activist – reproduces an all too familar narrative and imagery.


Sinister scene from Nano

The most extraordinary visual experience on the first festival day was the feature Space Detective, a psychedelic film noir, packed with references to classics of science-fiction and pop culture. It was shot with real actors; in post-production, contrasts were maximized and little details like the smoke of a cigarette or the detective’s eyes highlighted in extreme neon colors, resulting in a pretty cool comic-like look (see the gif above). It would have been great to see the same level of innovation with respect to the plot, but what we get is essentially a typical detective story with a cool protagonist and a sexy (cat) client (both actors are great, however). In spite of the conventional general plotline, each single scene is crazy enough be fun. Rating: bird up! (I.e., I can’t say I’m really following but I can’t stop watching).

Favorite stories

Concerning the plot, I liked three shorts from the „Action“ block best. Olfactory tells a nice self-contained story about a drug that allows one to alter or delete past memories (similar to the technology we know from Eternal Sunshine of the Spotless Mind, but more DIY-style). Bit by bit, we can piece together the main character’s confusing memory fragments until we understand what has happenend: for fear of routine and boredom, he has rewritten his past countless times. A classic science-fiction story, which explores what a possible technological innovation might do to us.
The French short MARS IV also starts out with a classic Sci-Fi setting: the members of the fourth manned mission to Mars are beginning to lose their minds, just like one of the crews that came before them. Perhaps it has to do with the fact that they keep switching off the green and calming Augmented Reality and exposing themselves to the maddening redness and emptiness of the Mars. The first hallucinations take the form of horror jumpscares, the following ones become more and more hilarious and trashy, until finally all crew members end up in a coma. In view of the rather grim beginning, the final reveal is suprisingly harmless; similar to FTL, Mars IV stays on the lighter and happier side.
My final recommendation is Satori. It also explores human challenges, but from a broader perspective. It begins with a a single soldier named Mann, who is chasing a mysterious faceless monster. His attempts to communicate with it fail, and the situation escalates and ends in Mann killing the faceless one… and becoming faceless himself. The whole thing turns out to be a test for all humanity by aliens, who are remarkably patient and very cautious to avoid an inductive fallacy: even after more than 600 failed attempts, they still seem to have hope to find something good in Mann/mankind. Special effects are used sparingly, but look very good; the combination of story and look probably makes Satori my overall favorite (unfortunately, it did not make the festival’s semifinal round).

Scattered thoughts on lo-fi sci-fi

It’s interesting to observe the different strategies that the festival contributions use to tell science-fiction stories effectively with no or little money:

  • Today, especially today’s Berlin, is a frequent destination for time travel (e.g., Rewinder); short-distance time-traveling is also popular (Foreword).
  • Apps, YouTube videos, commercials for futuristic prodcuts (Nano, Olfactory, Biomass) effectively create a feeling of a not-too-distant, realistic future.
  • Virtual Reality that is barely different from the real reality offers infinite SciFi possibilities but still looks futuristic if some glitches are added (Like Sea Cucumbers).
  • The „faceless“ mask in Satori probably was just a piece of cloth stretched over the actor’s face, but it looked very neat and disturbing.
  • There is something unsettling about real moving toy robots in a futuristic setting (as in Biomass).
  • Human actors are cost-efficient robots: In Biomass, the group of discarded child bioroids is pretty spooky; in MARS IV, a guy’s mask and mechanical voice are enough to make me believe he’s a robot.

Bonus: Star Trek fan films

There was also a screening of five Star Trek fan projects, including the Kickstarter hit Prelude to Axanar. The beginning of the war between the Federation and the Klingons prior to Star Trek: TOS is narrated in the style of a documentary. Both the interviews and the computer designed battle scenes look very impressive for a fan production. Although the main theme of the film cannot really be said to go against the spirit of Star Trek (especially in DS9, we have seen similar things), it is not necessarily one I would have wished to see more of. The Starfleet members are shown to struggle with the idea that they cannot avoid being involved in a war, but once it is inevitable, they have alarmingly little trouble to praise honorable attack maneuvers and be proud of clever war strategies. I would have hoped for a different focus, perhaps on more philosophical aspects of Star Trek, but nevertheless, it is a shame that the planned sequel was derailed by Paramount’s law suit so that we only get to see the prelude but not the actual battle at Axanar.
Most of the other fan films had a pretty high level of production, too, especially with respect to recreating details from the series. However, the film I ended up liking the most was one that was seemingly made with even more modest means, but a lot of heart and soul: Survivors looks like a project that has been made by a group of best friends and was just cute to watch.

As for the festival environment, the Babylon Berlin proved to be a freezing cold but cozy location, and the presence of many of the (also excited) film makers added to a friendly atmosphere. Coming up next: Berlin Sci-Fi FilmFest, day two!

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