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Saturn’s Children ist eine an Robert A. Heinleins Roman Friday angelehnte Space Opera. Ganz wie dieser Untertitel erwarten lässt, legt Saturn’s Children ein rasantes Erzähltempo vor, bietet eine abgefahrene Story und reichlich saftige Details.

Die Protagonistin Freya muss sich in einem Universum durchschlagen, das nach dem plötzlichen Aussterben der Menschheit nur noch von künstlichen Intelligenzen unterschiedlichster Art bevölkert ist: machtgierige menschenähnliche Aristos, die sich andere Roboter untertan machen wollen; uralte Maschinen, die inzwischen ihren Daseinszweck verloren haben und sich anderen Dingen zuwenden; und allerlei zwielichtige Gestalten, die versuchen mit krummen Weltraumsgeschäften über die Runden zu kommen.

Stross sprudelt geradezu über vor Ideen, die sich größtenteils zu einer lebhaften und unterhaltsamen Welt zusammenfügen. Besonders viel Spaß macht es, wenn sich klassischer Abenteuertrash mit ziemlich harter Sci-Fi vermischt – etwa wenn Freya von Space-Gangstern an Gleise gefesselt wird, auf denen hier aber kein einfacher Zug ankommt, sondern gleich eine ganze Stadt, die um den Merkur fährt um der dort tödlichen Sonneneinstrahlung zu entgehen (ein Konzept, das sich so z.B. auch in Robinsons Marstrilogie findet); oder wenn ein Skyhook und die Transportkapsel, die er aufgreift, beim Andocken sexy times erleben. Spannend ist auch Freyas Verhältnis zu ihren Geschwister-Modellen, mit denen sie durch Seelen-Uploads Erinnerungen und Erlebnisse teilen kann, was im Laufe der Geschichte allerdings auch zu immer mehr Verwirrung darüber führt, wer jetzt eigentlich wer ist.

Das alles wäre trotzdem ziemlich genüssliche, leichte Space-Opera-Kost, wenn ich nicht ein großes Problem mit Freya hätte. Ihr Modell war ursprünglich ein Sex-Roboter, programmiert darauf, menschlichen Männern zu gefallen. Das ist ein Hintergrund, der Freya erstaunlich wenig beschäftigt, vor allem da sie in jeder anderen Hinsicht als tough, clever und reflektiert beschrieben wird. An einigen wenigen Stellen denkt sie zwar über ihre Programmierung nach, was aber nicht besonders weit über das unausgegorene Bedauern herausgeht, dass sie ihren Daseinszweck leider nicht mehr erfüllen kann. Alle ihre sexuellen Begegnungen (von denen die meisten leider nicht so originell wie der Skyhook sind) sind so geschrieben, als sollten sie unbekümmertes pornöses Lesevergnügen bereiten, sind aber durch ihre reflexartigen einprogrammierten Reaktionen auf alles Männerähnliche richtig unangenehm. Die Prämisse von Androidinnen mit sexuellen Prägungen, die einem selbst überhaupt nichts bringen, könnte so einiges an guten düster-zynischen Analogien hergeben; aber als Vorwand für sexy Weltraumabenteuer (eigentlich immer gerne her damit!) funktioniert sie schlecht.

Schade. Naja! Wenn ihr in Berlin seid, könnt ihr Charles Stross nächste Woche in der Otherland-Buchhandlung sehen.

 

Bildquelle: „A spinning skyhook and a tidally stabilised skyhook“ (Wikimedia Commons)

Kommentare

  1. – Kurz dachte ich, aus irgendeinem random-perversen Grund wären nach ihm die Monster aus Quake benannt, „soulless fusions of decaying flesh, bones and metal, twisted and ruined by centuries of war“, aber es sind die Strogg. Eventuell auch vermischt-verwechselt mit Trent L. Strauss.
    – Die Beschreibung erinnert mich ein wenig an Barbarella, den ich vor Äonen mal gesehen habe… Vielleicht Podcast-Material!

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